Porträt von Marco Elling

Marco Elling

Sportphysiologe

Schreibt über Belastung, Laktat, die Reparatur am Folgetag und die Chemie des Orgasmus, ohne daraus ein Programm zu machen.

Anstrengung hat eine Biochemie. Die Stunde danach hat eine, und die Stunde nach dem Orgasmus ebenfalls. Ich schreibe diese Vorgänge als Ereignisse mit einer Richtung. Ich schreibe sie nicht als Plan, den jemand abarbeiten soll.

Laktat ist Fracht

Laktat ist Brennstoff auf dem Weg. Die Glykolyse liefert Pyruvat. Kommt Pyruvat schneller an, als die Mitochondrien es verbrauchen, reduziert die Laktatdehydrogenase es zu Laktat und lädt den Träger nach, den die Glykolyse braucht. Sauerstoff kann dabei noch vorhanden sein. Der Spiegel steigt, weil der Weg beschäftigt ist, nicht weil die Zelle ein Gift angesammelt hat. Das Brennen ist echt. Die Giftgeschichte ist es nicht. Andere Fasern, das Herz und die Leber können dieses Laktat aufnehmen und verwerten. Thema ist der Austausch, nicht eine Ausleitung und nicht die Vorschrift, wie sauer sich eine Belastung anfühlen soll.

Der nächste Tag ist ein anderes Signal

Der Schmerz am Morgen nach einer langen Belastung ist kein übrig gebliebenes Laktat. Was die Belastung erzeugt hat, ist zum Frühstück weitgehend weg. Der späte Schmerz ist eine lokale Nachricht aus Gewebe, das auf diese Last nicht vorbereitet war. Viele nennen die ganze Nachricht Entzündung und hören auf. Das Wort ist zu weit. Muskelkater auf der Treppe ist kein Fieber und keine Entzündung, die seit Monaten im Blut sitzt. Reparatur ist real. Sie ist auch lokal, spät und gewöhnlich. Sie lässt sich ohne Protokoll beschreiben.

Die Stunde nach dem Orgasmus

Der Orgasmus verändert die folgende Stunde. Die Erregung fällt oft. Prolaktin aus dem Hypophysenvorderlappen steigt oft. Dopamin in den Schaltkreisen des Verlangens gehört eher zur Annäherung als zur Ruhe danach. Das Dopamin, das Prolaktin bremst, ist ein anderer Weg. Wer die beiden vermischt, macht aus der Stunde ein Zerrbild eines Absturzes. Oxytocin kann im selben Fenster steigen. Manche spüren einen Abfall der Spannung. Manche fühlen sich teilnahmslos, hellwach oder für kurze Zeit niedergeschlagen. Das Muster hat eine Richtung. Es hat keine Garantie, und es ist keine Behandlung.

Ich benenne die Moleküle und die Stunde, die sie besetzen. Aus der Benennung mache ich kein Programm. Keine Abfolge von Belastungen. Kein Zeitplan für den Höhepunkt. Kein Versprechen, dass ein Gefühl das Peptid beweist. Die Chemie läuft bei Erwachsenen. Sie braucht von dieser Seite kein Drehbuch.

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